Beim 177. Jahresfest des Michaelisstiftes Gefell kamen Menschen mit und ohne Behinderung, Angehörige, Mitarbeitende und zahlreiche Gäste zusammen. Im Zeichen starker Wurzeln und neuer Wege verband das Fest Tradition, Gemeinschaft und Zukunft. Für Wohnverbundleiter Andreas Berger war es ein ganz besonderes Jubiläum: Er feierte bereits sein 50. Jahresfest in Gefell.
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Am Eingang begrüßte Annett Kellner die Besucherinnen und Besucher mit einem freudigen Lächeln. Sie übereichte Liedblätter und Festanstecker. Seit 42 Jahren lebt sie in Gefell und gehört wie viele vertraute Gesichter zum Michaelisstift. Obwohl sie am Sonntag keinen Familienbesuch erwartete, fehlte es ihr nicht an Gesellschaft: „Hier begegnet man immer jemandem, ich habe doch Freunde und Mitbewohner“, sagte sie.
Hans Richter wohnt seit drei Jahren im Haupthaus, im Alltag braucht er viel Unterstützung und besucht den Förderbereich in der Tagesstruktur. Am Sonntag war seine ganze Familie zu Gast, um mit ihm das Jahresfest zu erleben.
Lars Böwe lebt in einer betreuten Wohngruppe im Ort. Er arbeitet mit dem Hausmeister, hilft bei Rasenpflege und Reparaturarbeiten auf dem Gelände, weil vor und nach dem Jahresfest viel zu tun ist – am Sonntag war aber Zeit zum Fröhlichsein.
Menschen mit und ohne Behinderung, Kinder, Jugendliche, Angehörige, Mitarbeitende feierten am Sonntag gemeinsam mit vielen Gästen das 177. Jahresfest des Michaelisstiftes Gefell.
Den musikalischen Auftakt gestalteten Posaunenbläser aus Gefell und Langgrün unter der Leitung von Kantor Michael Lamprecht.
Dr. Klaus Scholtissek, Vorstandsvorsitzender des Michaelisstiftes und Sprecher der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Thüringen, begrüßte die Festgemeinde. Mit Freude blickte er auf die gut gefüllten Bankreihen: Bewohnerinnen und Bewohner saßen neben Angehörigen, Mitarbeitenden, Vertreterinnen und Vertretern aus Kirche, Politik und Gesellschaft. „Starke Wurzeln und neue Wege: Dafür stehen wir, das macht unsere diakonische Arbeit aus – seit 177 Jahren hier in Gefell. Unser Auftrag als Diakonie liegt in der sozialen Arbeit vor Ort, in den Kommunen und Regionen. Im Auftrag der staatlichen Instanzen und der Sozialversicherungsträger übernehmen wir Verantwortung, unterschreiben wir Leistungsversprechen in Pflege, Bildung, Assistenz und Beratung“, sagt Dr. Scholtissek.
Das soll und werde auch so bleiben. Die Diakoniestiftung will die regionale Präsenz weiter stärken: in Gefell, an vielen Standorten im Saale-Orla-Kreis und weit darüber hinaus.
Der Festgottesdienst, geleitet von Rektor Ramón Seliger, Vorstand des Michaelisstiftes und Geschäftsführer der Diakoniestiftung Thüringen, wurde von Bewohnern und Jugendlichen mitgestaltet. Schülerinnen und Lehrkräfte der Freien Montessori Gemeinschaftsschule Bad Lobenstein zeigten ein lebhaftes Anspiel zur Jahreslosung mit einer frohen Botschaft. Wenn das Leben zur Sackgasse wird, Pläne scheitern oder alles aus der Bahn gerät, gilt Gottes Zusage: „Siehe, ich mache alles neu.“
Ein Stammgast zum Jahresfest ist Markus Enders. Der stellvertretende Vorsitzende des Stiftungsrates und Mitglied des Aufsichtsrates der Diakoniestiftung Thüringen grüßte im Namen der Aufsichtsgremien. Er erklärte die Neuerung im Diakonieverbund und versicherte, dass stets der Mensch im Mittelpunkt steht und damit auf die Zukunft gebaut werde, gerade in Traditionsorten wie Gefell.
Katrin Gersdorf, erste Beigeordnete des Landrates im Saale-Orla-Kreis, würdigte die über Generationen beständige Arbeit für Menschen mit Behinderung. Eine Sache, die so alt ist, so lange besteht, müsse etwas Besonderes sein.
Marcel Zapf, Bürgermeister der Stadt Gefell, sprach seinen Dank besonders den Teams im Wohnhaus, der Diakonie-Tagespflege im Lebenskulturhaus und dem Mobilen Seniorenbüro aus – Angebote, die aus der Stadt und Umgebung nicht wegzudenken sind.
Ein besonderes Jahresfest erlebte Wohnverbundleiter Andreas Berger: sein 50.!
1976 war die Familie nach Gefell gekommen, damals war sein Vater der Hausvater, jetzt ist er Wohnverbundleiter und lud die Gäste zum Mitfeiern ein. Dafür gab es am Nachmittag mit vielen Angeboten Gelegenheit, zum Beispiel bei Kaffee und Kuchen in den Räumen der Tagespflege. Während dort viele Menschen saßen, vergnügten sich andere auf dem Gelände. Das Angebot war groß an Schönem, was solch ein Fest unvergesslich macht: Kutschfahrten, Glücksrad, Verkaufsstände der Vogtlandwerke Stelzen und der Werkstätten Christopherushof in Altengeses. Die Christliche Bücherstube Gefell war mit einem interessanten Stand vertreten. Es gab einen großen Flohmarkt, Musik im Festzelt, Bratwürste, Seifenblasen und viele Begegnungen mit fröhlichen Menschen und die Möglichkeit, sich über Angebote der Diakonie in Gefell und Umgebung zu informieren.
