Sozialkongress

Künstliche Intelligenz und
soziale Arbeit in Thüringen

Rückblick auf unseren 15. Sozialkongress:

Mittwoch, den 20. Mai 2026, 9:00 bis 16:30 Uhr, Stadthalle Bad Blankenburg

„Künstliche Intelligenz und soziale Arbeit in Thüringen – Chancen und Herausforderungen konkret“ – unter diesem Titel beleuchten wir, was KI ist, wie sie in der Praxis zur Verbesserung unserer Prozesse eingesetzt werden und in der sozialen Arbeit zur Entlastung beitragen kann.

Rückblick auf die bisherigen Sozialkongresse

Künstliche Intelligenz: Mehr als 400 Gäste beim 15. Sozialkongress

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Berichterstattung

Mehr als 370 Gäste sind der Einladung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein am 19. März 2025 gefolgt, um am 14. Sozialpolitischen Kongress teilzunehmen.

„Bildung ermöglicht aufgeklärtes, kritisches und sachgerechtes Urteilen und Handeln. Sie verbindet emotionale, charakterliche und geistige Reifung mit gesellschaftlichem und politischem Rüstzeug. Damit stellt sie sich den Verlockungen der Freund-Feind-Bilder in den Weg. Unser Kongress lebt von der Begegnung unterschiedlicher Perspektiven“, so hieß es schon in der Einladung zum Kongress. 

> Zur Diakonal 2025 zum Kongress-Thema Bildung ist mehr – Empowerment in der sozialen Arbeit 

Der Kongress startete mit einer Andacht von Manuel Kaiser, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bad Blankenburg. 

Nach der Begrüßung durch Dr. Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung, erinnerte Henrich Herbst, Superintendent des Kirchenkreises Weimar und Vorsitzender der Aufsichtsgremien der Diakoniestiftung, an eine Längsschnittstudie zu „gefährdeten Kindern“ von Emmy Werner: Sie konnte zeigen, dass es einem Drittel dieser Kinder gelang, eine ausreichende Resilienz zu entwickeln. Daraus lässt sich die Frage für den Kongress ableiten: „Wie können Faktoren, die schützen, sich entfalten?“ 

Staatssekretär Dr. Bernd Uwe Althaus blickte in seinem Grußwort auch auf die eigenen langjährigen beruflichen Erfahrungen zurück, die ihn als profunden Kenner und Mitgestalter der Thüringer Bildungs- und Schullandschaft ausweisen. 
Thomas Schubert, Bürgermeister von Bad Blankenburg, nutzte sein Grußwort, um für Bad Blankenburg zu werben: Wo könne man passender einen Kongress zum Thema Bildung veranstalten als in der Fröbelstadt Bad Blankenburg? Hier gründete Friedrich Fröbel 1840 den ersten Kindergarten weltweit und setzte damit einen Meilenstein der frühkindlichen Bildung.

„Handlungsfähig werden – Bildungsprozesse in Empowerment-Perspektive“ – unter dieser Überschrift hielt Prof. Dr. Michael Domsgen, Direktor des Center for Empowerment Studies der Uni Halle, den ansprechenden Hauptvortrag. Es gelang ihm ausgezeichnet, Impulse aus der christlichen Tradition und aus der modernen human- und sozialwissenschaftlichen Perspektive zusammenzuführen: Beiden geht es zentral darum, Menschen „aufzurichten“ und „neu auszurichten“, ihnen selbst bestimmte und mündige Teilhabe zu ermöglichen. 

Im Anschluss an diesen Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen beruflichen Handlungsfeldern: 
Dr. Bernd Uwe Althaus, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft u. Kultur; 
Prof. Dr. Michael Domsgen, Direktor des Center of Empowerment Studies der Uni Halle; 
Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland St. Johannes; 
OKR Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland; 
Christina Winterfeldt, Schulleiterin der Evangelischen Gemeinschaftsschule Weimar; 
Dr. Franziska Wittau, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Schwerpunkte der Podiums- und Plenumsdiskussion, die von Pfarrerin Dr. Laura-Christin Krannich souverän moderiert wurde, waren konkrete Praxisschritte, die Empowerment ermöglichen, und die persönlichen wie strukturellen Gelingensbedingungen, wie Menschen sich in ihren jeweiligen Lebenssituationen „aufrichten“ und „neu ausrichten“. Mehrfach betont wurden auch Risiken in diesem Prozess der Befähigung bzw. Beauftragung.

Dr. Bernd Uwe Althaus unterstrich, dass Schule auf der Höhe der Zeit nicht „allein“ stehen dürfe: In vorhandene und neue Lern- und Schulkonzepte sollen auch Eltern, Fördervereine und Ehrenamtliche eingebunden werden. Dafür biete das Land Thüringen gute Rahmenbedingungen. Die Lehrpläne geben Freiräume, schaffen Netzwerke und ermöglichen damit auch Formate, wie diesen Kongress der Diakoniestiftung.
Mehrere Gesprächsgänge in der Podiumsdiskussion griffen die Frage auf, wieviel Freiheitsräume Bildungseinrichtungen brauchen, um die Thüringer Bildungslandschaft vielfältig und innovativ zu entwickeln. Anders gefragt: Wo braucht es welche staatlichen Rahmenvorgaben, die Freiheit nicht erdrücken und gleichzeitig wichtige Qualitätsstandards sicherstellen? Frau Dr. Wittau erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die große Zahl der Schulen nicht aus dem Blick geraten darf, die mit fortgeschrittenen und sich überschneidenden Herausforderungen konfrontiert sind und z.B. über keine engagierte Elternschaft verfügen.   
Christoph Stolte wies auf eine Gefahr und einen Lernprozess hin: Alles helfende, bildende, assistierende Handeln muss immer Hilfe zur Selbsthilfe sein und darf nicht in offene oder subtile Abhängigkeiten führen. Empowerment-Prozesse wirken in diesem Sinne institutionskritisch und stimulierend für Innovationen.  

Am Nachmittag, nach einer Pause mit Zeit und Raum für Gespräche und Begegnungen, fanden vier Fachforen statt: 

Pflege zwischen Ausbildung und Bachelor – Braucht das Gesundheitswesen die Akademisierung? 

Luise Mirza (Sophien- und Hufeland Klinikum Weimar) und Benjamin Ihmels (Haus Elisabeth in Saalburg-Ebersdorf) sprachen über die ermächtigende Wirkung ihres Pflegestudiums, über ihre Berufserfahrungen mit dem Pflegestudium im Rücken, ein kompetenzorientiertes Zusammenspiel im Team und lösten damit lebhafte Diskussionen aus. 1/3 der über 30 Teilnehmerinnen in diesem Workshop waren selbst Pflegende mit einer akademischen Ausbildung in der Pflege. Es war ein intensiver Dialog über den praktischen Einsatz von Fachkräften, die z.T. taufrisch über ihre Studien und die Auswirkungen auf die Praxis berichteten. Einig waren sich alle darüber, dass alle Qualifizierungsstufen in den verschiedenen Aufgabenfeldern der Pflege ihre Berechtigung haben, vor allem aber, dass die Pflege nicht länger von anderen Berufsgruppen „dirigiert“ werden sollte, die Zeit für Empowerment ist da. Im internationalen Vergleich gibt es in Deutschland viel Nachhol-Bedarfe, die Gesetze dafür sind schon in der Pipeline.  Ein zweiter Arbeitskreis Akademisierung wird sich nun in der Diakoniestiftung gründen.

Begegnen mit Respekt – Eingliederungshilfe zwischen Überbehütung und Überforderung 

Willem Kleine Schaars entwickelte sein Assistenz-Modell, um Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen zu helfen, ihre Selbstbestimmung zurückzugewinnen und eigene Entscheidungen zu treffen. Durch seine langjährige Arbeit in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung und in der Psychiatrie erkannte er, wie oft Betreuer Entscheidungen stellvertretend treffen, obwohl die Klienten in der Lage wären, dies selbst zu tun. 
Im Fachforum wurde das Modell von ihn persönlich vorgestellt, wo Fachleute und Interessierte intensiv über das Konzept und dessen praktische Anwendung diskutierten. In Videoaufnahmen konnten die Teilnehmenden beobachten, was passiert, wenn Betreuer nicht anwesend sind – und wie in einigen Fällen Abläufe in Eigenregie der Klienten besser funktionierten als unter Beteiligung der Betreuer. 
Das Modell stärkt somit die Selbstbestimmung und zeigt, wie wichtig es ist, den Betroffenen Raum für eigene Entscheidungen zu geben. Es gab spannende Diskussion an denen sich vor allem auch Werkstatt- und Heimbeiräte beteiligen und das Konzept begrüßten.  

Empowerment in der Schule, Chancen und Herausforderungen für Schule und den Sozialraum. Erfahrungen und Perspektiven aus der gelebten Praxis vor Ort.

Das Fachforum konnte den roten Faden vom Hauptvortrag vom Vormittag (Prof. Domsgen) in den Nachmittag weiterführen und fragte im Diskurs nach Chancen und Herausforderungen von Empowerment-Prozessen in Schule und den jeweiligen Sozialräumen. 
Der Referent Dr. Georg Bucher/Center for Empowerment Studies an der Uni Halle bot zusammen mit den Schulleiterinnen Annett Richter (Michaelisschule und Montessori-Gemeinschaftsschule Bad Lobenstein) und Christina Winterfeldt (Evangelische Gemeinschaftsschule Weimar) konkrete Ideen an, wie Empowerment-Prozesse in der Schule ermöglicht werden können. 
In einem lebendigen Austausch mit den Teilnehmenden wurden Best-Practise Beispiele in den Blick genommen. Es wurde deutlich: Empowerment in der Schule braucht sensible pädagogische Begleitung (Befähigung der Schülerinnen und Schüler), aber auch konzeptionelle Freiräume und den Mut, etwas zu riskieren (Bevollmächtigung der Schüler). 

Resilienz als Aufgabe. Herausforderungen meistern durch lebenslanges Lernen

Dilan Schuani (Resilienz Akademie Göttingen) zeigte in ihrem Workshop anschaulich, wie Resilienz entsteht und gelernt werden kann, um die verschiedensten Herausforderungen des Lebens zu meistern. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen oder eines Systems, trotz widriger Umstände mental gesund zu sein und die täglichen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Resilienz ist eine Kernkompetenz in einer sich rasant verändernden Welt. Dabei ist es von hoher Bedeutung, eigene Emotionen wie Freude, Glück, Zuneigung, Überraschung aber auch Ärger und Trauer wahrzunehmen. Emotionen sind komplexe menschliche Reaktionen auf bestimmte Reize oder Situationen. Es geht um die Frage: Wie kann ich mich in eine gute Balance bringen, um meinem Gegenüber mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen. 

Passend zum Kongressthema haben die Werkstätten Christopherushof in Altengesees ein fast zwei Meter hohes Werte-Jenga gebaut und als Premiere in Bad Blankenburg vorgestellt: Toleranz, Pressefreiheit, Menschenwürde, Liebe, Achtung, Bildung, Selbstreflektion, Nächstenliebe und andere Leitwörter mehr stehen auf den Spielsteinen, die sich gegenseitig stützend und stabilisierend einen Turm bilden. Werden einzelne Spielsteine herausgezogen, kann es schnell zum Einsturz kommen.  

Großer Dank gilt den Sponsoren und Kooperationspartnern des Kongresses, von denen viele aktiv teilgenommen und mit Ständen vertreten waren. Erneut durften wir die Organisation des Kongresses durch Frau Ludwig, die freundliche Allgegenwart des Empfangsteams aus den eigenen Reihen sowie die professionale Unterstützung des Teams der Stadthalle Bad Blankenburg (Service und Technik) genießen.

HIER gelangen Sie zur Präsentation zum Hauptvortrag von Prof. Dr. Michael Domsgen

Berichterstattung

Miteinander Chancen nutzen – Arbeitsmarktintegration Kongress der Diakoniestiftung mit starker Resonanz

Mehr als 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind der Einladung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gefolgt: Akteure und Entscheider aus der Kommunal- und der Landespolitik, der freien Träger, von Wirtschaftsunternehmen, Verbänden und Verwaltungen, der Kirchen und der Medien trafen in der Stadthalle Bad Blankenburg zusammen, um ihre Erfahrungen zu teilen, um ihre Aufgaben und Herausforderungen zu reflektieren, um Chancen und Grenzen für die bunten Wege in den Arbeitsmarkt zu reflektieren.    

Der Vormittag im Plenum begann mit einer Andacht von Superintendent Henrich Herbst, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates: Ausgangspunkt seiner Ansprache war die Frage des Petrus an Jesus: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil?“ (Matthäusevangelium 19,27). Diese berechtigte Frage des Petrus stellen heute junge und ältere Menschen genauso: „Was haben wir davon, wenn wir einen Arbeitsvertrag unterschreiben?“ In der Antwort Jesu geht es um nicht weniger als das „Leben“ mitten in dieser Welt und in der kommenden Welt.      

In seiner Begrüßung betonte Dr. Klaus Scholtissek, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Diakoniestiftung: „Miteinander Chancen nutzen – das ist definitiv unser Weg bei der Integration in den Arbeitsmarkt: Diesen Weg wollen wir gehen. Um ihn gehen zu können, müssen wir ihn beschreiben. Um ihn beschreiben zu können, müssen wir Erfahrungen austauschen, müssen wir die Gelingensbedingungen lernen und verankern. Genau dafür brauchen wir den Austausch, für den wir heute ein Forum zur Verfügung stellen.“

Prof. Dr. Michael Behr, Abteilungsleiter Arbeit und Qualifizierung im Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, stellte in seinem spannenden Hauptvortrag die Entwicklung des Thüringer Arbeitsmarktes in den letzten 30 Jahren vor und betonte dabei insbesondere die großen Erfolge, die allzu oft unbekannt und unterschätzt werden. Thüringen sei ein Chancenland mit vielen Wettbewerbsvorteilen. Gleichzeitig werde diese Entwicklung durch die sinkende Bevölkerungszahl und eine verbreitete ausländerfeindliche Propaganda gefährdet (LINK zur Präsentation).

Die anschließende Podiumsdiskussion bot einen lebendigen und intensiven Austausch mit zahlreichen Anregungen und Anstößen für konkrete Schritte und Lösungswege. Daran beteiligten sich neben Prof. Michael Behr:
– Katrin Gersdorf, Beigeordnete des Landrates Saale-Orla-Kreis, Landtagskandidatin und Verantwortliche des Projektes Jobmanager (Arbeitsmarktintegration für Geflüchtete),
– Sigrid Hebestreit, Aufsichtsratsvorsitzende der Zentralkonsum eG und ehem. Vorstandsvorsitzende der Konsumgenossenschaft Weimar,
– Uwe-Jens Kremlitschka, Geschäftsführer Jobcenter Saalfeld-Rudolstadt, sowie
– Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland.

Eingehend diskutiert wurden die Hürden, die erfolgreichen und stabilen Vermittlungen in die Arbeit und die gesellschaftliche Teilhabe im Wege stehen können:
– fehlende Sprachkenntnisse und die Dauer des Spracherwerbs;
– nicht ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen in Jobcentern, Arbeitsagenturen und geförderten Arbeitsmarktprojekten bei freien Trägern;
– Ein unzeitgemäßen ‚Festkleben‘ an herkömmlichen Bewerbungsverfahren, das den notwendigen Perspektivwechsel verpasst: Es kann und darf nicht mehr (allein) darum gehen, was ein Bewerber an  Abschlüssen und Kompetenzen nicht vorzuweisen hat, sondern darum, was sie oder er mitbringt an Begabungen und Potentialen;
– Der Einstieg und die Einarbeitung an einen neuen Arbeitsplatz brauchen individuell zugeschnittene Konzepte, für manche Personen auch ein finanziertes Coaching, das echte Beziehungs- und Assistenzleistungen ermöglicht.  
– Bei Führungskräften und in den Teams, die durch einen neuen Mitarbeiter bereichert werden, braucht es vielfach ein Umdenken in den Köpfen: Die ‚Anpassungsleistung‘ ist keine Einbahnstraße, die allein auf die Schultern der neuen Mitarbeiterin oder des neuen Mitarbeiters gelegt wird.       

Am Nachmittag fanden mit großer Beteiligung drei Fachforen statt:  

  • Interkulturelle Kommunikation und Konfliktmanagement,
  • Sozialraumorientierung am Beispiel der Stadt Weimar,
  • Arbeitswelten gestalten – Miteinander für Chancen und Zuversicht.

Für Inhalte zu diesen Fachforen und Kontakte zu den Akteuren der Fachforen stehen die Führungskräfte der Diakoniestiftung gerne zur Verfügung. 

Das gesamte Catering des Tages wurde aus der Bäckerei in Altengesees und der Küche der Christopheruswerkstatt in Saalfeld gestemmt. Beiden Teams und allen zusätzlichen helfenden Händen wurde schon während des Tages ein überwältigendes Lob zuteil! 
Die bewusst ausführlich geplanten Pausen wurden rege genutzt zu vielen persönlichen Gesprächen, zum Kennenlernen und zu Verabredungen. Auch die Messe- und Infostände boten reichlich Gelegenheit zu neuen Ideen, Kontakten und Kooperationen.

 

Stimmen zum Kongress: 
René Markert, pädagogischer Leiter Vogtlandwerke gGmbH: Der Kongress hat mich optimistisch gestimmt. 

Angelika Böber, Kirchenkreis Rudolstadt: Ich bin schon vor zehn Jahren zu einem Sozialkongress gewesen, damals in Erfurt. Ich und wurde dort auf eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin aufmerksam. Diese habe ich begonnen und erfolgreich abgeschlossen und wende dies für meine Arbeit an. Dadurch habe ich einen besonderen Bezug zu dieser Veranstaltung und freue mich stets darauf. Heute habe ich Anregungen mitgenommen, die ich Klienten aus der Ukraine weitergeben möchte.

Donatha Castell, Verband kinderreicher Familien: Ich war im Fachforum zum Sozialraumteam Weimar. Ich habe viel neues gehört. Das Familienbild und wie man mit Herausforderungen umgeht, begeistern mich. 

Oliver Pick, Geschäftsführer der Vogtlandwerke gGmbH: Prof. Behr hat in seinem Vortrag zu Gelassenheit aufgerufen. Das nehme ich mit. Die Dinge möglichst in Ruhe mit bedacht angehen. Ich hatte wieder viele gute Begegnungen.  

Antje Kaiser, Landratsamt Saale-Orla-Kreis: Meine Kollegin und ich haben wieder sehr gute Gespräche geführt. Das Kongressthema bewegt und beschäftigt uns alle, heute gab es neue Impulse. 

>>> Zum OTZ-Beitrag, Thüringen vom Sozialkongress_19042024

>>> Zum OTZ-Beitrag, Lokal Saale-Orla vom Sozialkongress_19042024 

>>> Zum Vortrag von Prof. Dr. Behr

Berichterstattung

„Danke an allen Teilnehmenden, alle Akteure, alle Firmen und alle Mitarbeitenden, die unseren 12. Sozialkongress am 7. Juni in Bad Blankenburg unterstützt haben. Unser Ziel, mit dem Motto „Freie Träger – Motor für eine plurale Gesellschaft“ die Systemrelevanz freier Träger in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken wurde erreicht – ja übertroffen.“ Dr. Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein, zieht eine erfreuliche Bilanz. Der Sozialkongress ist gelungen. Die selbstbewusste Ansage „Freie Träger- Motor für eine plurale Gesellschaft“ wurde von allen Akteuren bekräftigt, ja gestärkt.    

>>> Zum MDR-Beitrag, Thüringenjournal 7. Juni 2023

>>> Zum TA/ OTZ-Beitrag vom 8. Juni 2023

>>> Zum Videomitschnitt des Kongresses

Mit mehr als 300 Gästen aus Politik und Kirche, aus Diakonie und Verwaltung, aus unseren Einrichtungen und von vielen freien Trägern in Mitteldeutschland haben wir gesprochen und auch direkt vor Ort, das eine oder andere bewegt. Dr. Friederike Spengler, Regionalbischöfin und Mitglied in den Stiftungsräten unseres Diakonieverbundes, nannte die Gäste in der Andacht zu Beginn des Kongresses „Beweger“. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den freien Trägern wollen etwas bewegen – zum Wohl anderer Menschen und zur Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit.

Mike George, Bürgermeister in Bad Blankenburg, bezeichnete den Kongress als eine Plattform für alle, die sich zu sozialen, politischen, gesellschaftlichen und diakonischen Themen austauschen wollen. Denn dieser Austausch beschleunige den „Motor“.

Henrich Herbst, Superintendent in Weimar und Aufsichtsratsvorsitzender der Diakoniestiftung, schlug einen Bogen vom Jahr 1919, zum Jahr 2019 und in unsere Gegenwart: Wie hat die verfassungsgebende Versammlung 1919 in Weimar gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Pluralität gesehen? 100 Jahre später zeigte die Feier zum Jubiläum der Weimarer Verfassung, bis hinein in den Gottesdienst in der Herderkirche, ein weiterentwickeltes Verständnis für die gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Vielfalt. Freie Träger, Kultur und Kirchen sind kreative Anker in einer pluralen Gesellschaft.

Stark geprägt war der Kongress von den drei Hauptvorträgen. Beginnend mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, der klar und unmissverständlich Stellung bezog:  Freie Träger schaffen Angebote in Sozialräumen, in denen viele Menschen mitwirken können, stets an ihre individuellen Talente und Fähigkeiten angepasst. Freie Träger übernehmen Aufgaben, die der Staat alleine nicht leisten kann, weil sie flexibler reagieren können sind und nahe an den Menschen arbeiten. Neben Werkstätten und Wohnstätten für Menschen mit Handicaps, in denen er regelmäßig zu Besuch ist, war er am vergangenen Sonntag im inklusiv betriebenen, neu eröffneten Café Samocca in Weimar und zeigte sich sehr beeindruckt. Bei diesem neuen Angebot in Weimar in Kooperation mit der Klassikstiftung Weimar wird sichtbar, wie sich klassische Werkstätten für Menschen mit Behinderungen für innovative Arbeitsplätze öffnen können.    

Die Zukunftsaufgaben der Pflege nannte er eine große Herausforderung für alle Beteiligten und die ganze Gesellschaft: Auch in diesem Hilfefeld sind neue Ideen und Konzepte dringend gefragt. Freie Träger können hier eine Vorreiterrolle übernehmen.  Prof. Dr. Beate Hofmann, Bischöfin (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) und Diakoniewissenschaftlerin (Bielefeld), blickte zurück auf exemplarische Anfänge von freien Trägern: Meist gab es ein Problem, Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befanden, Hilfe suchten und Menschen, die sich dieser neuen Aufgabe annahmen. Einzelfall-Lösungen entwickelten sich schrittweise zu einem guten Angebot für viele. Bischöfin Hofmann zeigt dies am Beispiel der Entstehungsgeschichte des Müttergenesungswerkes auf. Innovative Ideen und Konzepte, die Karriere machen, gibt es auch in unserer Gegenwart.

„Dies kann aber nur gelingen, wenn die Politik zeitgemäße, gute Rahmenbedingungen setzt.“ Sie sagte das mit Blick in Richtung Ministerpräsident Bodo Ramelow. Ohne klaren Auftrag, ohne auskömmliche Finanzierung ist dem freien Träger kein gutes Angebot möglich, so ihr Apell, der mit Beifall bekräftigt wurde.

Auch Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, unterstrich den Wert freier Träger für eine plurale Gesellschaft. Sie sind Ideengeber und können neue Probleme mit neuen Lösungsideen angehen. So plural wie die Gesellschaft heute ist, so plural entwickelt sich auch die Träger-Vielfalt. Er betonte im Rückblick auf die Geschichte der freien Träger, dass bei den meisten die Nächstenliebe als leitendes Handlungsprinzip am Ursprung stand und steht.  Prof. Nassehi bestätigte das Bespiel des Müttergenesungswerkes und ging als ein weiteres Beispiel auf die Hospiz- und Palliativbewegung ein.

Prof. Nassehi betonte das Subsidiaritätsprinzip (Selbstrücknahme des Staates für bürgerschaftliches Engagement und freie Träger) und warb für eine konsequente Anwendung. Freie Träger finden mitunter bessere Lösungen, sie sind flexibel in der Umsetzung und für notwendige Anpassungen.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Tim Deisinger (MDR) moderiert:  

Katja Heinrich, Geschäftsführerin der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung – Landesverband Thüringen e.V., nutzte die Möglichkeit und sprach die Finanzierung freier Schulen an. Sie bemängelt, dass Förderschulen in freier Trägerschaft von Freistaat vergessen würden, zum Beispiel bei der Digitalisierung. Bei der Finanzierung der Pflege von altgewordenen Menschen mit einer Behinderung legte sie den Finger in die Wunde: die Finanzierung ihrer Pflege in ihren angestammten Besonderen Wohnformen wird viel zu oft nicht von der Pflegeversicherung übernommen.

Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, betonte, dass freie Träger wie die Diakonie die Fähigkeit und Haltung mitbringt, in einer pluralen Gesellschaft z.B. kultur- und religionssensibel zu pflegen. Er bittet sehr darum, die Regulationsdichte abzubauen, umso mehr Ressourcen für die Arbeit mit Menschen zu erhalten.  Gleichzeitig bedarf es einer solidarisch denkenden und handelnden Bürgergesellschaft, die ihre gesellschaftliche Eigenverantwortung wahrnimmt und die Mündigkeit jeder einzelnen Person schützt und entfaltet.  

Prof. Nassehi rief dazu auf, gerade den Schwächsten wirksam und dauerhaft zu helfen.  Vollmundige Versprechen, die nicht wirklich eingelöst werden, vergrößern nur den Vertrauensverlust in „die Politik“ und „die Eliten“.   

Nach einer Mittagspause wurde in drei Fachforen zu aktuellen Themen aus den Geschäftsbereichen der Diakoniestiftung diskutiert. 

Fachforum 1: Pflege als Sozialraumgestaltung und als Wirtschaftsfaktor – Angebot und Bedarfe regional gestalten

Fachforum 2: Erfolgreiche Gewinnung und Entwicklung Ihres Führungskräftenachwuchses

Fachforum 3: Zukunftsperspektiven der Eingliederungshilfe – BTHG erfolgreich umsetzen Referat mit anschließender Diskussion.

Bilder: Sandra Smailes
Text: Sandra Smailes/ Dr. Klaus Scholtissek

11. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 12. Mai 2022, Diakonie Landgut Holzdorf
Titel: Nachhaltigkeit und Teilhabe
Einladung/ Programm des digitalen Kongresses 2022

10. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 27. März 2019, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Gemeinsam auf dem Weg!
Einladung/ Programm 2019

9. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 29. Mai 2018, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Gesellschaft gestalten – Hand in Hand! 
Einladung/ Programm 2018

8. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 29. Mai 2018, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Fachkräfte finden und binden! 
Einladung/ Programm 2017

7. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 11. Mai 2016, Stadtwerke Erfurt
Titel: Mehrwert für Thüringen: Digitalisierung in der Sozialwirtschaft!
Einladung/ Programm 2016

6. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 10. Juni 2015, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Was treibt uns an?
Einladung/ Programm 2015

5. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 14. Mai 2014, Stadtwerke Erfurt
Titel: Mehrwert für Thüringen! Wertschöpfung durch soziale Arbeit
Einladung/ Programm 2014

4. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 12. Juni 2013, Stadtwerke Erfurt
Titel: Mehrwert für Thüringen: Mittendrin? Chancen und Grenzen von Inklusion
Einladung/ Programm 2013

3. Sozialpolitischer Kongress der Diakoniestiftung am 13. Juni 2012, Wisentahalle Schleiz
Titel: Mehrwert für Thüringen: Soziale Dienste nachhaltig sichern!
Einladung/ Programm 2012

2. Sozialpolitischer Kongress der Diakoniestiftung am 11. Mai 2011, Weimarhalle Weimar
Titel: Mehrwert für Thüringen: Starke Partner entwickeln Lösungen!
Einladung/ Programm 2011

1. Sozialpolitischer Kongress der Diakoniestiftung am 3. Juni 2010, Weimarhalle Weimar
Titel: Mehrwert für Thüringen Freie Träger und ihre sozialen Dienstleistungen
Einladung/ Programm 2010

Einladungsflyer

Einladungsflyer zu unserem 15. Sozialkongress 

08:30 Uhr Ankommen und Empfang
09:00 Uhr Andacht
09:15 Uhr Begrüßung
09:35 Uhr Grußworte
09:45 Uhr Hauptvortrag
10:30 Uhr Kaffeepause
11:00 Uhr Podiumsdiskussion
12:30 Uhr Mittagsimbiss und Gespräche
13:30 Uhr Workshops und KI-Präsentationen
14:30 Uhr Kaffeepause

15:00 Uhr Workshops und KI-Präsentationen
16:00 Uhr KI-Präsentation navel robotics GmbH
16:20 Uhr Abschlussworte und Reisesegen
16:30 Uhr Ausklang

Andacht: Oberin Sr. Annegret Bachmann, Rektor Ramón Seliger
musikalische Begleitung: Kantor Christoph Böcking

All Morgen ist ganz frisch und neu (EG 440,1-3)

All Morgen ist ganz frisch, und neu
des Herren Gnad und große Treu;
sie hat kein End den langen Tag,
drauf jeder sich verlassen mag.

O Gott, du schöner Morgenstern,
gib uns, was wir von dir begehrn:
Zünd deine Lichter in uns an,
lass uns an Gnad kein Mangel han.

Treib aus, o Licht, all Finsternis,
behüt uns, Herr, vor Ärgernis,
vor Blindheit und vor aller Schand
und reich uns Tag und Nacht dein Hand.

Die Erde ist des Herrn (EG 654,1-3)

Die Erde ist des Herrn.
Geliehen ist der Stern, auf dem wir leben.
Drum sei zum Dienst bereit, gestundet ist die Zeit,
die uns gegeben.

Gebrauche deine Kraft.
Denn wer was Neues schafft, der lässt uns hoffen.
Vertraue auf den Geist, der in die Zukunft weist.
Gott hält sie offen.

Geh auf den andern zu.
Zum Ich gehört ein Du, um Wir zu sagen.
Leg deine Rüstung ab. Weil Gott uns Frieden gab,
kannst du ihn wagen.

Hauptreferat:

➡️ Niels Struckmeyer, Geschäftsführer Brandung GmbH, Berlin
Transformation durch KI – Wie Veränderung gemeinsam gelingt“.

Andacht: Oberin Sr. Annegret Bachmann, Rektor Ramón Seliger

Podium: 

➡️ Thomas Althammer, Geschäftsführer  Althammer & Kill GmbH & Co. KG

➡️ Karsten Anders, Lehrer Freie Montessori-Gemeinschaftsschule Bad Lobenstein

➡️ Sumeet Bhatia, Geschäftsführer Bhatia Advisory GmbH

➡️ Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender Diakonie Mitteldeutschland

➡️ Niels Struckmeyer, Geschäftsführer Brandung GmbH, Berlin

➡️ Dr. Miriam Wolf, Vorständin Verband für Digitalisierung in der Sozialwirtschaft e.V. (Vediso e.V.)

➡️ Moderation: Dr. Laura-Christin Krannich, Pfarrerin in Eisleben

Workshops – jeweils 13:30 und 15:00 Uhr

Workshop 1: 
Vom Hype zum Nutzen: KI-Einsatz in der Sozialwirtschaft verantwortungsvoll gestalten

➡️ Inhalt: Rechtlicher, ethischer und formaler Einsatz von KI

Referent: Thomas Althammer (Althammer & Kill GmbH & Co. KG)

Moderation: Christian Mißbach

Workshop 2: 
Roter Faden im Kontext KI

➡️ Inhalt: Was braucht eine Einrichtung/ Institution um KI-fähig zu sein; praxisnahe Voraussetzungen, um KI auf den Weg zu bringen

Referentin: Dr. Miriam Wolf (Vediso e.V.)

Moderation: Bettina Schmidt

Workshop 3: 
Lernen und Künstliche Intelligenz: Segen oder Fluch?

➡️ Inhalt: Pädagogische und ethische Fragen zum Einsatz von KI in Bildung und Schule

Referent: Tobias Objartel-Kresse (Uni Jena)

Moderation: Ramón Seliger

 

Hier erfahren Sie, was Sie bei den praxisnahen Vorstellungen von KI-Anwendungen ab 13:30 Uhr auf der Bühne der Stadthalle erwartet:

13:30 Uhr Brandung GmbH (Niels Struckmeyer)

      • AIHub – die KI-Plattform für die Sozialwirtschaft– eine sichere, zentrale Umgebung für die gesamte Organisation statt Einzellösungen per Mitarbeitenden
      • Multi-Modell-Zugang in einer Plattform– GPT, Claude, Gemini und weitere Modelle DSGVO-konform und ohne eigene IT-Infrastruktur nutzen
      • Internes Wissen direkt nutzbar machen– Anbindung an SharePoint, Confluence und andere Datenquellen für organisationsweites Wissensmanagement
      • Rollen, Rechte und Governance von Anfang an– Nutzerverwaltung, SSO und individuelle Zugriffssteuerung für Träger mit vielen Standorten und Mitarbeitenden
      • Plattform plus Beratung– von der Einführung über Schulungen bis zu konkreten Use Cases: AIHub als langfristiger Partner, nicht nur als Tool

13:45 Uhr K-KISS GmbH – Tochtergesellschaft des AWO – Landesverbandes Thüringen e.V. (Sarah Hiergeist) 

      • Warum KI in der Wohlfahrt jetzt relevant ist: Entlastung bei Fachkräftemangel, steigender Verwaltung und Dokumentationspflichten, dafür wieder mehr Zeit für die Arbeit mit Menschen.
      • Vorstellung des AWO KI‑Spielplatzes: Der AWO KI-Spielplatz ist eine DSGVO-konforme Plattform mit den drei Säulen KI-Textgenerator, KI‑Bildgenerator und praxisnahe, vorgefertigte Fach‑Chatbots (z. B. für Kita, Pflege, Verwaltung).
      • Konkrete Use Cases aus dem Arbeitsalltag, schnell und niedrigschwellig: z.B. Elternbriefe/Schreibassistenz, Übersetzungen, Geschichten & Malvorlagen.
      • Sicherheit & Recht in Kürze: Einordnung zu EU AI Act (Schulung/Doku/Monitoring) und DSGVO – plus Umgang mit „Schatten‑KI“.
      • 3‑faches Sicherheitsnetz: Wie Rechtskonformität umgesetzt wird.

14:00 Uhr Bona Mondo UG (haftungsbeschränkt) (Christian Atz)

      • Vorstellung von KIKO, KI-Chatbots für ältere Menschen
      • Praxisnahe Einblicke in die Entwicklung und Anwendung
      • Zentrale Learnings aus der Umsetzung: Nutzung, Hürden und Erfolgsfaktoren
      • Niedrigschwellige Ansätze auf Basis vorhandener Technik (z. B. Smartphones)
      • Gestaltung vertrauensvoller und alltagstauglicher KI-Interaktion
      • Chancen und Grenzen von KI im sozialen Bereich, anhand konkreter Erfahrungen

14:15 Uhr Service‑now.com GmbH und SOLVVision AG

      • Warum scheitern Digitalisierungs- und KI-Initiativen?
      • Fehlende KI-Funktionen – oder doch ein tieferes Problem?
      • Prozesse, Workflows und Stammdaten: Das Fundament jeder erfolgreichen Digitalisierung
      • ServiceNow als strategischer Dreh- und Angelpunkt

15:00 Uhr Ecclesia Versicherungsdienst GmbH (Florian Frisch)

      • Transformation ist Teamwork – Wie Mensch und KI bei Ecclesia zusammenfinden
      • 75% der Wissensarbeiter nutzen bereits KI – doch nur wenige der Unternehmen haben einen ausgereiften Plan. Florian Frisch verantwortet das KI-Enablement bei der Ecclesia Gruppe und nimmt Sie mit auf eine Reise, die noch andauert: Welche Hürden gibt es bei der KI-Einführung?
        Worauf sollte man achten? Und wie bekommt man die Menschen mit? Praxisnah, ehrlich, übertragbar – mit konkreten Learnings für Ihre Organisation

15:15 Uhr Bundesarbeitsgemeinschaft WfbM (Lidia Garoscio)

      • Projekt „KI-Kompass Inklusiv“

      • Ziel des Projektes: Aufbau eines Kompetenzzentrums für KI-gestützte Assistenztechnologien und Inklusion im Arbeitsleben – Partizipation, Barrierefreiheit, Ethik und Datenschutz als Grundstein 

      • Ergebnisse der Recherche KI-gestützter Assistenztechnologien, die Menschen mit Behinderungen bei der Arbeit und Lernen unterstützen können 

      • Angebote des Kompetenzzentrums: Informationsveranstaltungen, Beratungen, Workshops, Schulungen und Technologie-Demonstrationen 

      • Entwicklung und praktische Erprobung von KI-Anwendungen in den Arbeitgeber-Praxislaboren

15:30 Uhr Diakonisches Bildungsinstitut Johannes Falk

      • KI² – Künstliche Intelligenz. Kommunikation. Inklusion.

      • Die SprachSchmiede des DBI – Vision eines Instituts für barrierearme Kommunikation

      • Menschen mit Behinderung als Mitgestalter – nicht Zielgruppe

      • KI trifft Leichte Sprache: Textanalyse, Bewertung und menschliche Prüfgruppe im Zusammenspiel

      • Selbstbestimmt digital: KI-Website zur individuellen Geräteeinrichtung für Menschen mit Sehbeeinträchtigung

      • Drei Jahre Praxis: Was KI kann, wo sie scheitert – und was echte Inklusion braucht​​​​​​​​​​​​​​​​

15:45 Uhr NT Neue Technologie AG (Daniel Böhme)

      • KI in der Pflegedokumentation – Praxisimpuls NT.AG

      • Effizienzgewinn in der Pflege: Deutlich weniger Dokumentationsaufwand, mehr Zeit für Klient*innen

      • Entlastung in Zeiten von Fachkräftemangel – KI als skalierbare Unterstützung im Alltag

      • Rechtssichere und strukturierte Dokumentation als Grundlage für Qualität, Abrechnung und Prüfung

      • Sichere KI-Nutzung durch Betrieb im BSI-zertifizierten Rechenzentrum der NT.AG – Schutz sensibler Gesundheitsdaten und Minimierung von Haftungsrisiken

      • Erfolgreiche Einführung in der Praxis: Worauf Entscheider achten müssen (Akzeptanz, Prozesse, Integration)

16:00 Uhr navel robotics GmbH (Nelson Jung)

      • Vorstellung von Navel als empathischer sozialer Roboter zur Unterstützung von Mitarbeitenden im Gesundheitswesen und Bewohnern
      • konkrete Beispiele, wie Navel aktiviert, Gespräche führt und für mehr Freude im Alltag sorgt
      • Überblick über Einsatzmöglichkeiten – von Aktivierung bis Entlastung im Alltag
      • praxisnahe Einblicke, Erfahrungen aus Einrichtungen und wissenschaftliche Erkenntnisse zur Wirkung

Unser Kongress findet statt in der Stadthalle Bad Blankenburg, Bahnhofstr. 23, 07422 Bad Blankenburg.
Die Parkgebühren auf diesem Parkplatz betragen 3 €/ Tag.
Kostenfrei parken können Sie auf dem Parkplatz in der Wirbacher Straße.

Logos der Unternehmen, welche unseren 15. Sozialkongress unterstützen

Während der Veranstaltung werden Foto- und Videoaufnahmen gemacht. Diese Aufnahmen werden für unsere Öffentlichkeitsarbeit verwendet (z. B. auf unserer Website, in sozialen Medien oder in gedruckten Materialien). Als Rechtsgrundlage dient uns § 6 Nr. 4 DSG-EKD, da wir ein berechtigtes Interesse an der oben genannten Verarbeitung haben. Mit meiner Anmeldung stimme ich zu, dass solche Aufnahmen von mir gemacht und veröffentlicht werden dürfen. Wenn ich nicht aufgenommen werden möchte, informiere ich das Veranstaltungsteam vor Ort.

Berichterstattung

Mehr als 370 Gäste sind der Einladung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein am 19. März 2025 gefolgt, um am 14. Sozialpolitischen Kongress teilzunehmen.

„Bildung ermöglicht aufgeklärtes, kritisches und sachgerechtes Urteilen und Handeln. Sie verbindet emotionale, charakterliche und geistige Reifung mit gesellschaftlichem und politischem Rüstzeug. Damit stellt sie sich den Verlockungen der Freund-Feind-Bilder in den Weg. Unser Kongress lebt von der Begegnung unterschiedlicher Perspektiven“, so hieß es schon in der Einladung zum Kongress. 

> Zur Diakonal 2025 zum Kongress-Thema Bildung ist mehr – Empowerment in der sozialen Arbeit 

Der Kongress startete mit einer Andacht von Manuel Kaiser, Pfarrer der Evangelisch-Lutherischen Kirchgemeinde Bad Blankenburg. 

Nach der Begrüßung durch Dr. Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung, erinnerte Henrich Herbst, Superintendent des Kirchenkreises Weimar und Vorsitzender der Aufsichtsgremien der Diakoniestiftung, an eine Längsschnittstudie zu „gefährdeten Kindern“ von Emmy Werner: Sie konnte zeigen, dass es einem Drittel dieser Kinder gelang, eine ausreichende Resilienz zu entwickeln. Daraus lässt sich die Frage für den Kongress ableiten: „Wie können Faktoren, die schützen, sich entfalten?“ 

Staatssekretär Dr. Bernd Uwe Althaus blickte in seinem Grußwort auch auf die eigenen langjährigen beruflichen Erfahrungen zurück, die ihn als profunden Kenner und Mitgestalter der Thüringer Bildungs- und Schullandschaft ausweisen. 
Thomas Schubert, Bürgermeister von Bad Blankenburg, nutzte sein Grußwort, um für Bad Blankenburg zu werben: Wo könne man passender einen Kongress zum Thema Bildung veranstalten als in der Fröbelstadt Bad Blankenburg? Hier gründete Friedrich Fröbel 1840 den ersten Kindergarten weltweit und setzte damit einen Meilenstein der frühkindlichen Bildung.

„Handlungsfähig werden – Bildungsprozesse in Empowerment-Perspektive“ – unter dieser Überschrift hielt Prof. Dr. Michael Domsgen, Direktor des Center for Empowerment Studies der Uni Halle, den ansprechenden Hauptvortrag. Es gelang ihm ausgezeichnet, Impulse aus der christlichen Tradition und aus der modernen human- und sozialwissenschaftlichen Perspektive zusammenzuführen: Beiden geht es zentral darum, Menschen „aufzurichten“ und „neu auszurichten“, ihnen selbst bestimmte und mündige Teilhabe zu ermöglichen. 

Im Anschluss an diesen Vortrag gab es eine lebhafte Diskussion mit Expertinnen und Experten aus unterschiedlichen beruflichen Handlungsfeldern: 
Dr. Bernd Uwe Althaus, Staatssekretär im Thüringer Ministerium für Bildung, Wissenschaft u. Kultur; 
Prof. Dr. Michael Domsgen, Direktor des Center of Empowerment Studies der Uni Halle; 
Marco Eberl, Vorstandsvorsitzender der Evangelischen Schulstiftung in Mitteldeutschland St. Johannes; 
OKR Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland; 
Christina Winterfeldt, Schulleiterin der Evangelischen Gemeinschaftsschule Weimar; 
Dr. Franziska Wittau, Leiterin der Landeszentrale für politische Bildung Thüringen.

Schwerpunkte der Podiums- und Plenumsdiskussion, die von Pfarrerin Dr. Laura-Christin Krannich souverän moderiert wurde, waren konkrete Praxisschritte, die Empowerment ermöglichen, und die persönlichen wie strukturellen Gelingensbedingungen, wie Menschen sich in ihren jeweiligen Lebenssituationen „aufrichten“ und „neu ausrichten“. Mehrfach betont wurden auch Risiken in diesem Prozess der Befähigung bzw. Beauftragung.

Dr. Bernd Uwe Althaus unterstrich, dass Schule auf der Höhe der Zeit nicht „allein“ stehen dürfe: In vorhandene und neue Lern- und Schulkonzepte sollen auch Eltern, Fördervereine und Ehrenamtliche eingebunden werden. Dafür biete das Land Thüringen gute Rahmenbedingungen. Die Lehrpläne geben Freiräume, schaffen Netzwerke und ermöglichen damit auch Formate, wie diesen Kongress der Diakoniestiftung.
Mehrere Gesprächsgänge in der Podiumsdiskussion griffen die Frage auf, wieviel Freiheitsräume Bildungseinrichtungen brauchen, um die Thüringer Bildungslandschaft vielfältig und innovativ zu entwickeln. Anders gefragt: Wo braucht es welche staatlichen Rahmenvorgaben, die Freiheit nicht erdrücken und gleichzeitig wichtige Qualitätsstandards sicherstellen? Frau Dr. Wittau erinnerte in diesem Zusammenhang daran, dass die große Zahl der Schulen nicht aus dem Blick geraten darf, die mit fortgeschrittenen und sich überschneidenden Herausforderungen konfrontiert sind und z.B. über keine engagierte Elternschaft verfügen.   
Christoph Stolte wies auf eine Gefahr und einen Lernprozess hin: Alles helfende, bildende, assistierende Handeln muss immer Hilfe zur Selbsthilfe sein und darf nicht in offene oder subtile Abhängigkeiten führen. Empowerment-Prozesse wirken in diesem Sinne institutionskritisch und stimulierend für Innovationen.  

Am Nachmittag, nach einer Pause mit Zeit und Raum für Gespräche und Begegnungen, fanden vier Fachforen statt: 

Pflege zwischen Ausbildung und Bachelor – Braucht das Gesundheitswesen die Akademisierung? 

Luise Mirza (Sophien- und Hufeland Klinikum Weimar) und Benjamin Ihmels (Haus Elisabeth in Saalburg-Ebersdorf) sprachen über die ermächtigende Wirkung ihres Pflegestudiums, über ihre Berufserfahrungen mit dem Pflegestudium im Rücken, ein kompetenzorientiertes Zusammenspiel im Team und lösten damit lebhafte Diskussionen aus. 1/3 der über 30 Teilnehmerinnen in diesem Workshop waren selbst Pflegende mit einer akademischen Ausbildung in der Pflege. Es war ein intensiver Dialog über den praktischen Einsatz von Fachkräften, die z.T. taufrisch über ihre Studien und die Auswirkungen auf die Praxis berichteten. Einig waren sich alle darüber, dass alle Qualifizierungsstufen in den verschiedenen Aufgabenfeldern der Pflege ihre Berechtigung haben, vor allem aber, dass die Pflege nicht länger von anderen Berufsgruppen „dirigiert“ werden sollte, die Zeit für Empowerment ist da. Im internationalen Vergleich gibt es in Deutschland viel Nachhol-Bedarfe, die Gesetze dafür sind schon in der Pipeline.  Ein zweiter Arbeitskreis Akademisierung wird sich nun in der Diakoniestiftung gründen.

Begegnen mit Respekt – Eingliederungshilfe zwischen Überbehütung und Überforderung 

Willem Kleine Schaars entwickelte sein Assistenz-Modell, um Menschen in Abhängigkeitsverhältnissen zu helfen, ihre Selbstbestimmung zurückzugewinnen und eigene Entscheidungen zu treffen. Durch seine langjährige Arbeit in Einrichtungen für Menschen mit geistiger Behinderung und in der Psychiatrie erkannte er, wie oft Betreuer Entscheidungen stellvertretend treffen, obwohl die Klienten in der Lage wären, dies selbst zu tun. 
Im Fachforum wurde das Modell von ihn persönlich vorgestellt, wo Fachleute und Interessierte intensiv über das Konzept und dessen praktische Anwendung diskutierten. In Videoaufnahmen konnten die Teilnehmenden beobachten, was passiert, wenn Betreuer nicht anwesend sind – und wie in einigen Fällen Abläufe in Eigenregie der Klienten besser funktionierten als unter Beteiligung der Betreuer. 
Das Modell stärkt somit die Selbstbestimmung und zeigt, wie wichtig es ist, den Betroffenen Raum für eigene Entscheidungen zu geben. Es gab spannende Diskussion an denen sich vor allem auch Werkstatt- und Heimbeiräte beteiligen und das Konzept begrüßten.  

Empowerment in der Schule, Chancen und Herausforderungen für Schule und den Sozialraum. Erfahrungen und Perspektiven aus der gelebten Praxis vor Ort.

Das Fachforum konnte den roten Faden vom Hauptvortrag vom Vormittag (Prof. Domsgen) in den Nachmittag weiterführen und fragte im Diskurs nach Chancen und Herausforderungen von Empowerment-Prozessen in Schule und den jeweiligen Sozialräumen. 
Der Referent Dr. Georg Bucher/Center for Empowerment Studies an der Uni Halle bot zusammen mit den Schulleiterinnen Annett Richter (Michaelisschule und Montessori-Gemeinschaftsschule Bad Lobenstein) und Christina Winterfeldt (Evangelische Gemeinschaftsschule Weimar) konkrete Ideen an, wie Empowerment-Prozesse in der Schule ermöglicht werden können. 
In einem lebendigen Austausch mit den Teilnehmenden wurden Best-Practise Beispiele in den Blick genommen. Es wurde deutlich: Empowerment in der Schule braucht sensible pädagogische Begleitung (Befähigung der Schülerinnen und Schüler), aber auch konzeptionelle Freiräume und den Mut, etwas zu riskieren (Bevollmächtigung der Schüler). 

Resilienz als Aufgabe. Herausforderungen meistern durch lebenslanges Lernen

Dilan Schuani (Resilienz Akademie Göttingen) zeigte in ihrem Workshop anschaulich, wie Resilienz entsteht und gelernt werden kann, um die verschiedensten Herausforderungen des Lebens zu meistern. Resilienz bezeichnet die Fähigkeit eines Menschen oder eines Systems, trotz widriger Umstände mental gesund zu sein und die täglichen Herausforderungen des Lebens zu meistern. Resilienz ist eine Kernkompetenz in einer sich rasant verändernden Welt. Dabei ist es von hoher Bedeutung, eigene Emotionen wie Freude, Glück, Zuneigung, Überraschung aber auch Ärger und Trauer wahrzunehmen. Emotionen sind komplexe menschliche Reaktionen auf bestimmte Reize oder Situationen. Es geht um die Frage: Wie kann ich mich in eine gute Balance bringen, um meinem Gegenüber mit Respekt und Menschlichkeit zu begegnen. 

Passend zum Kongressthema haben die Werkstätten Christopherushof in Altengesees ein fast zwei Meter hohes Werte-Jenga gebaut und als Premiere in Bad Blankenburg vorgestellt: Toleranz, Pressefreiheit, Menschenwürde, Liebe, Achtung, Bildung, Selbstreflektion, Nächstenliebe und andere Leitwörter mehr stehen auf den Spielsteinen, die sich gegenseitig stützend und stabilisierend einen Turm bilden. Werden einzelne Spielsteine herausgezogen, kann es schnell zum Einsturz kommen.  

Großer Dank gilt den Sponsoren und Kooperationspartnern des Kongresses, von denen viele aktiv teilgenommen und mit Ständen vertreten waren. Erneut durften wir die Organisation des Kongresses durch Frau Ludwig, die freundliche Allgegenwart des Empfangsteams aus den eigenen Reihen sowie die professionale Unterstützung des Teams der Stadthalle Bad Blankenburg (Service und Technik) genießen.

HIER gelangen Sie zur Präsentation zum Hauptvortrag von Prof. Dr. Michael Domsgen

Berichterstattung

Miteinander Chancen nutzen – Arbeitsmarktintegration Kongress der Diakoniestiftung mit starker Resonanz

Mehr als 350 Teilnehmerinnen und Teilnehmer sind der Einladung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein gefolgt: Akteure und Entscheider aus der Kommunal- und der Landespolitik, der freien Träger, von Wirtschaftsunternehmen, Verbänden und Verwaltungen, der Kirchen und der Medien trafen in der Stadthalle Bad Blankenburg zusammen, um ihre Erfahrungen zu teilen, um ihre Aufgaben und Herausforderungen zu reflektieren, um Chancen und Grenzen für die bunten Wege in den Arbeitsmarkt zu reflektieren.    

Der Vormittag im Plenum begann mit einer Andacht von Superintendent Henrich Herbst, dem Vorsitzenden des Aufsichtsrates: Ausgangspunkt seiner Ansprache war die Frage des Petrus an Jesus: „Siehe, wir haben alles verlassen und sind dir nachgefolgt; was wird uns dafür zuteil?“ (Matthäusevangelium 19,27). Diese berechtigte Frage des Petrus stellen heute junge und ältere Menschen genauso: „Was haben wir davon, wenn wir einen Arbeitsvertrag unterschreiben?“ In der Antwort Jesu geht es um nicht weniger als das „Leben“ mitten in dieser Welt und in der kommenden Welt.      

In seiner Begrüßung betonte Dr. Klaus Scholtissek, der Vorsitzende der Geschäftsführung der Diakoniestiftung: „Miteinander Chancen nutzen – das ist definitiv unser Weg bei der Integration in den Arbeitsmarkt: Diesen Weg wollen wir gehen. Um ihn gehen zu können, müssen wir ihn beschreiben. Um ihn beschreiben zu können, müssen wir Erfahrungen austauschen, müssen wir die Gelingensbedingungen lernen und verankern. Genau dafür brauchen wir den Austausch, für den wir heute ein Forum zur Verfügung stellen.“

Prof. Dr. Michael Behr, Abteilungsleiter Arbeit und Qualifizierung im Thüringer Ministerium für Arbeit, Soziales, Gesundheit, Frauen und Familie, stellte in seinem spannenden Hauptvortrag die Entwicklung des Thüringer Arbeitsmarktes in den letzten 30 Jahren vor und betonte dabei insbesondere die großen Erfolge, die allzu oft unbekannt und unterschätzt werden. Thüringen sei ein Chancenland mit vielen Wettbewerbsvorteilen. Gleichzeitig werde diese Entwicklung durch die sinkende Bevölkerungszahl und eine verbreitete ausländerfeindliche Propaganda gefährdet (LINK zur Präsentation).

Die anschließende Podiumsdiskussion bot einen lebendigen und intensiven Austausch mit zahlreichen Anregungen und Anstößen für konkrete Schritte und Lösungswege. Daran beteiligten sich neben Prof. Michael Behr:
– Katrin Gersdorf, Beigeordnete des Landrates Saale-Orla-Kreis, Landtagskandidatin und Verantwortliche des Projektes Jobmanager (Arbeitsmarktintegration für Geflüchtete),
– Sigrid Hebestreit, Aufsichtsratsvorsitzende der Zentralkonsum eG und ehem. Vorstandsvorsitzende der Konsumgenossenschaft Weimar,
– Uwe-Jens Kremlitschka, Geschäftsführer Jobcenter Saalfeld-Rudolstadt, sowie
– Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland.

Eingehend diskutiert wurden die Hürden, die erfolgreichen und stabilen Vermittlungen in die Arbeit und die gesellschaftliche Teilhabe im Wege stehen können:
– fehlende Sprachkenntnisse und die Dauer des Spracherwerbs;
– nicht ausreichende finanzielle und personelle Ressourcen in Jobcentern, Arbeitsagenturen und geförderten Arbeitsmarktprojekten bei freien Trägern;
– Ein unzeitgemäßen ‚Festkleben‘ an herkömmlichen Bewerbungsverfahren, das den notwendigen Perspektivwechsel verpasst: Es kann und darf nicht mehr (allein) darum gehen, was ein Bewerber an  Abschlüssen und Kompetenzen nicht vorzuweisen hat, sondern darum, was sie oder er mitbringt an Begabungen und Potentialen;
– Der Einstieg und die Einarbeitung an einen neuen Arbeitsplatz brauchen individuell zugeschnittene Konzepte, für manche Personen auch ein finanziertes Coaching, das echte Beziehungs- und Assistenzleistungen ermöglicht.  
– Bei Führungskräften und in den Teams, die durch einen neuen Mitarbeiter bereichert werden, braucht es vielfach ein Umdenken in den Köpfen: Die ‚Anpassungsleistung‘ ist keine Einbahnstraße, die allein auf die Schultern der neuen Mitarbeiterin oder des neuen Mitarbeiters gelegt wird.       

Am Nachmittag fanden mit großer Beteiligung drei Fachforen statt:  

  • Interkulturelle Kommunikation und Konfliktmanagement,
  • Sozialraumorientierung am Beispiel der Stadt Weimar,
  • Arbeitswelten gestalten – Miteinander für Chancen und Zuversicht.

Für Inhalte zu diesen Fachforen und Kontakte zu den Akteuren der Fachforen stehen die Führungskräfte der Diakoniestiftung gerne zur Verfügung. 

Das gesamte Catering des Tages wurde aus der Bäckerei in Altengesees und der Küche der Christopheruswerkstatt in Saalfeld gestemmt. Beiden Teams und allen zusätzlichen helfenden Händen wurde schon während des Tages ein überwältigendes Lob zuteil! 
Die bewusst ausführlich geplanten Pausen wurden rege genutzt zu vielen persönlichen Gesprächen, zum Kennenlernen und zu Verabredungen. Auch die Messe- und Infostände boten reichlich Gelegenheit zu neuen Ideen, Kontakten und Kooperationen.

 

Stimmen zum Kongress: 
René Markert, pädagogischer Leiter Vogtlandwerke gGmbH: Der Kongress hat mich optimistisch gestimmt. 

Angelika Böber, Kirchenkreis Rudolstadt: Ich bin schon vor zehn Jahren zu einem Sozialkongress gewesen, damals in Erfurt. Ich und wurde dort auf eine Weiterbildung zur systemischen Beraterin aufmerksam. Diese habe ich begonnen und erfolgreich abgeschlossen und wende dies für meine Arbeit an. Dadurch habe ich einen besonderen Bezug zu dieser Veranstaltung und freue mich stets darauf. Heute habe ich Anregungen mitgenommen, die ich Klienten aus der Ukraine weitergeben möchte.

Donatha Castell, Verband kinderreicher Familien: Ich war im Fachforum zum Sozialraumteam Weimar. Ich habe viel neues gehört. Das Familienbild und wie man mit Herausforderungen umgeht, begeistern mich. 

Oliver Pick, Geschäftsführer der Vogtlandwerke gGmbH: Prof. Behr hat in seinem Vortrag zu Gelassenheit aufgerufen. Das nehme ich mit. Die Dinge möglichst in Ruhe mit bedacht angehen. Ich hatte wieder viele gute Begegnungen.  

Antje Kaiser, Landratsamt Saale-Orla-Kreis: Meine Kollegin und ich haben wieder sehr gute Gespräche geführt. Das Kongressthema bewegt und beschäftigt uns alle, heute gab es neue Impulse. 

>>> Zum OTZ-Beitrag, Thüringen vom Sozialkongress_19042024

>>> Zum OTZ-Beitrag, Lokal Saale-Orla vom Sozialkongress_19042024 

>>> Zum Vortrag von Prof. Dr. Behr

Berichterstattung

„Danke an allen Teilnehmenden, alle Akteure, alle Firmen und alle Mitarbeitenden, die unseren 12. Sozialkongress am 7. Juni in Bad Blankenburg unterstützt haben. Unser Ziel, mit dem Motto „Freie Träger – Motor für eine plurale Gesellschaft“ die Systemrelevanz freier Träger in die öffentliche Aufmerksamkeit zu rücken wurde erreicht – ja übertroffen.“ Dr. Klaus Scholtissek, Vorsitzender der Geschäftsführung der Diakoniestiftung Weimar Bad Lobenstein, zieht eine erfreuliche Bilanz. Der Sozialkongress ist gelungen. Die selbstbewusste Ansage „Freie Träger- Motor für eine plurale Gesellschaft“ wurde von allen Akteuren bekräftigt, ja gestärkt.    

>>> Zum MDR-Beitrag, Thüringenjournal 7. Juni 2023

>>> Zum TA/ OTZ-Beitrag vom 8. Juni 2023

>>> Zum Videomitschnitt des Kongresses

Mit mehr als 300 Gästen aus Politik und Kirche, aus Diakonie und Verwaltung, aus unseren Einrichtungen und von vielen freien Trägern in Mitteldeutschland haben wir gesprochen und auch direkt vor Ort, das eine oder andere bewegt. Dr. Friederike Spengler, Regionalbischöfin und Mitglied in den Stiftungsräten unseres Diakonieverbundes, nannte die Gäste in der Andacht zu Beginn des Kongresses „Beweger“. Ehrenamtliche und hauptamtliche Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter bei den freien Trägern wollen etwas bewegen – zum Wohl anderer Menschen und zur Verwirklichung von sozialer Gerechtigkeit.

Mike George, Bürgermeister in Bad Blankenburg, bezeichnete den Kongress als eine Plattform für alle, die sich zu sozialen, politischen, gesellschaftlichen und diakonischen Themen austauschen wollen. Denn dieser Austausch beschleunige den „Motor“.

Henrich Herbst, Superintendent in Weimar und Aufsichtsratsvorsitzender der Diakoniestiftung, schlug einen Bogen vom Jahr 1919, zum Jahr 2019 und in unsere Gegenwart: Wie hat die verfassungsgebende Versammlung 1919 in Weimar gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Pluralität gesehen? 100 Jahre später zeigte die Feier zum Jubiläum der Weimarer Verfassung, bis hinein in den Gottesdienst in der Herderkirche, ein weiterentwickeltes Verständnis für die gesellschaftliche, kulturelle und religiöse Vielfalt. Freie Träger, Kultur und Kirchen sind kreative Anker in einer pluralen Gesellschaft.

Stark geprägt war der Kongress von den drei Hauptvorträgen. Beginnend mit Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow, der klar und unmissverständlich Stellung bezog:  Freie Träger schaffen Angebote in Sozialräumen, in denen viele Menschen mitwirken können, stets an ihre individuellen Talente und Fähigkeiten angepasst. Freie Träger übernehmen Aufgaben, die der Staat alleine nicht leisten kann, weil sie flexibler reagieren können sind und nahe an den Menschen arbeiten. Neben Werkstätten und Wohnstätten für Menschen mit Handicaps, in denen er regelmäßig zu Besuch ist, war er am vergangenen Sonntag im inklusiv betriebenen, neu eröffneten Café Samocca in Weimar und zeigte sich sehr beeindruckt. Bei diesem neuen Angebot in Weimar in Kooperation mit der Klassikstiftung Weimar wird sichtbar, wie sich klassische Werkstätten für Menschen mit Behinderungen für innovative Arbeitsplätze öffnen können.    

Die Zukunftsaufgaben der Pflege nannte er eine große Herausforderung für alle Beteiligten und die ganze Gesellschaft: Auch in diesem Hilfefeld sind neue Ideen und Konzepte dringend gefragt. Freie Träger können hier eine Vorreiterrolle übernehmen.  Prof. Dr. Beate Hofmann, Bischöfin (Evangelische Kirche von Kurhessen-Waldeck) und Diakoniewissenschaftlerin (Bielefeld), blickte zurück auf exemplarische Anfänge von freien Trägern: Meist gab es ein Problem, Menschen, die sich in einer schwierigen Situation befanden, Hilfe suchten und Menschen, die sich dieser neuen Aufgabe annahmen. Einzelfall-Lösungen entwickelten sich schrittweise zu einem guten Angebot für viele. Bischöfin Hofmann zeigt dies am Beispiel der Entstehungsgeschichte des Müttergenesungswerkes auf. Innovative Ideen und Konzepte, die Karriere machen, gibt es auch in unserer Gegenwart.

„Dies kann aber nur gelingen, wenn die Politik zeitgemäße, gute Rahmenbedingungen setzt.“ Sie sagte das mit Blick in Richtung Ministerpräsident Bodo Ramelow. Ohne klaren Auftrag, ohne auskömmliche Finanzierung ist dem freien Träger kein gutes Angebot möglich, so ihr Apell, der mit Beifall bekräftigt wurde.

Auch Prof. Dr. Armin Nassehi, Soziologe an der Ludwig-Maximilians-Universität München, unterstrich den Wert freier Träger für eine plurale Gesellschaft. Sie sind Ideengeber und können neue Probleme mit neuen Lösungsideen angehen. So plural wie die Gesellschaft heute ist, so plural entwickelt sich auch die Träger-Vielfalt. Er betonte im Rückblick auf die Geschichte der freien Träger, dass bei den meisten die Nächstenliebe als leitendes Handlungsprinzip am Ursprung stand und steht.  Prof. Nassehi bestätigte das Bespiel des Müttergenesungswerkes und ging als ein weiteres Beispiel auf die Hospiz- und Palliativbewegung ein.

Prof. Nassehi betonte das Subsidiaritätsprinzip (Selbstrücknahme des Staates für bürgerschaftliches Engagement und freie Träger) und warb für eine konsequente Anwendung. Freie Träger finden mitunter bessere Lösungen, sie sind flexibel in der Umsetzung und für notwendige Anpassungen.

Die anschließende Podiumsdiskussion wurde von Tim Deisinger (MDR) moderiert:  

Katja Heinrich, Geschäftsführerin der Lebenshilfe für Menschen mit geistiger Behinderung – Landesverband Thüringen e.V., nutzte die Möglichkeit und sprach die Finanzierung freier Schulen an. Sie bemängelt, dass Förderschulen in freier Trägerschaft von Freistaat vergessen würden, zum Beispiel bei der Digitalisierung. Bei der Finanzierung der Pflege von altgewordenen Menschen mit einer Behinderung legte sie den Finger in die Wunde: die Finanzierung ihrer Pflege in ihren angestammten Besonderen Wohnformen wird viel zu oft nicht von der Pflegeversicherung übernommen.

Oberkirchenrat Christoph Stolte, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Mitteldeutschland, betonte, dass freie Träger wie die Diakonie die Fähigkeit und Haltung mitbringt, in einer pluralen Gesellschaft z.B. kultur- und religionssensibel zu pflegen. Er bittet sehr darum, die Regulationsdichte abzubauen, umso mehr Ressourcen für die Arbeit mit Menschen zu erhalten.  Gleichzeitig bedarf es einer solidarisch denkenden und handelnden Bürgergesellschaft, die ihre gesellschaftliche Eigenverantwortung wahrnimmt und die Mündigkeit jeder einzelnen Person schützt und entfaltet.  

Prof. Nassehi rief dazu auf, gerade den Schwächsten wirksam und dauerhaft zu helfen.  Vollmundige Versprechen, die nicht wirklich eingelöst werden, vergrößern nur den Vertrauensverlust in „die Politik“ und „die Eliten“.   

Nach einer Mittagspause wurde in drei Fachforen zu aktuellen Themen aus den Geschäftsbereichen der Diakoniestiftung diskutiert. 

Fachforum 1: Pflege als Sozialraumgestaltung und als Wirtschaftsfaktor – Angebot und Bedarfe regional gestalten

Fachforum 2: Erfolgreiche Gewinnung und Entwicklung Ihres Führungskräftenachwuchses

Fachforum 3: Zukunftsperspektiven der Eingliederungshilfe – BTHG erfolgreich umsetzen Referat mit anschließender Diskussion.

Bilder: Sandra Smailes
Text: Sandra Smailes/ Dr. Klaus Scholtissek

11. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 12. Mai 2022, Diakonie Landgut Holzdorf
Titel: Nachhaltigkeit und Teilhabe
Einladung/ Programm des digitalen Kongresses 2022

10. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 27. März 2019, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Gemeinsam auf dem Weg!
Einladung/ Programm 2019

9. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 29. Mai 2018, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Gesellschaft gestalten – Hand in Hand! 
Einladung/ Programm 2018

8. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 29. Mai 2018, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Fachkräfte finden und binden! 
Einladung/ Programm 2017

7. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 11. Mai 2016, Stadtwerke Erfurt
Titel: Mehrwert für Thüringen: Digitalisierung in der Sozialwirtschaft!
Einladung/ Programm 2016

6. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 10. Juni 2015, Stadthalle Bad Blankenburg
Titel: Mehrwert für Thüringen: Was treibt uns an?
Einladung/ Programm 2015

5. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 14. Mai 2014, Stadtwerke Erfurt
Titel: Mehrwert für Thüringen! Wertschöpfung durch soziale Arbeit
Einladung/ Programm 2014

4. Sozialkongress der Diakoniestiftung am 12. Juni 2013, Stadtwerke Erfurt
Titel: Mehrwert für Thüringen: Mittendrin? Chancen und Grenzen von Inklusion
Einladung/ Programm 2013

3. Sozialpolitischer Kongress der Diakoniestiftung am 13. Juni 2012, Wisentahalle Schleiz
Titel: Mehrwert für Thüringen: Soziale Dienste nachhaltig sichern!
Einladung/ Programm 2012

2. Sozialpolitischer Kongress der Diakoniestiftung am 11. Mai 2011, Weimarhalle Weimar
Titel: Mehrwert für Thüringen: Starke Partner entwickeln Lösungen!
Einladung/ Programm 2011

1. Sozialpolitischer Kongress der Diakoniestiftung am 3. Juni 2010, Weimarhalle Weimar
Titel: Mehrwert für Thüringen Freie Träger und ihre sozialen Dienstleistungen
Einladung/ Programm 2010

Kontakt
Susann Ludwig
Referentin der Geschäftsführung




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