„Humanität ist der Zweck der Menschennatur“ (Johann Gottfried Herder).
Der Empfang von Diakonie und Kirche zum Herdergeburtstag wurde erneut zu einem besonderen Fest für weit mehr als 300 Teilnehmerinnen und Teilnehmern in Weimar. Höhepunkte des Abends waren die Festrede von Landesbischof Friedrich Kramer und die Verleihung des Herderförderpreises an Jonas Kahl aus Freiburg.
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Es ist eine anziehende und ausstrahlende Tradition geworden, jedes Jahr am 25. August den Geburtstag vom Johann Gottfried Herder (1744-1803), Generalsuperintendent in Weimar, mit einem festlichen Empfang von Kirche und Diakonie in der Herder-Kirche zu würdigen. Den Festakt in der Stadtkirche – an der Orgel musikalisch begleitet von Kirchenmusikdirektor Johannes Kleinjung – eröffnete Dr. Constance Hartung, neue Superintendentin des Kirchenkreises Weimar-Apolda. Es folgten Grußworte von Oberbürgermeister Peter Kleine und Dr. Thadäus König, Präsident des Thüringer Landtags. Im Sinne Herders deutete Obergürgermeister Kleine Humanität als nie abzuschließende Aufgabe. Dr. König erinnerte u.a. an die drei Grundprinzipien der christlichen Sozialethik: Personalität, Solidarität und Subsidiarität.
Die Festrede mit Titel: „Was bedeutet Menschlichkeit? Herder als Gesprächspartner moderner Diakonie“, hielt Friedrich Kramer, Landesbischof der Evangelischen Kirche in Mitteldeutschland.
In seinem mit wacher Aufmerksamkeit verfolgten Vortrag stellte er insbesondere drei wichtige Merkmale der Persönlichkeit bzw. des Denkens Johann Gottfried Herders heraus:
– Lebenslang war er geprägt von Neugier und geradezu Lust, fremde Kulturen, zum Beispiel die Volkslieder anderer Kulturen, kennenzulernen, nicht als Konkurrenz, sondern als Bereicherung.
– Herder versteht Humanität als Auftrag, insbesondere als Bildungsweg, der immer neu beschritten sein will.
– Herder hat sich sehr viel mit der menschlichen Sprache beschäftigt und hier um gute, Verständnis eröffnende und verbindende Worte gerungen – ein Ausrufezeichen in unsere Gegenwart, in der eine verrohende Wortwahl Konjunktur hat.
Anschließend folgte die Verleihung des Herderförderpreises mit Laudatio von Prof. Dr. Klaus Dicke, Politikwissenschaftler und Rektor a.D. der Friedrich-Schiller-Universität Jena. Der mit 2.000 Euro dotierte Herder-Förderpreis geht in diesem Jahr an Jonas Kahl für seine Dissertation „Zwischen Weimar und Welt – Herders Weimarer Staatsreflexionen (1776–1803): Formen, Konzepte, Praktiken“. Der 34-jährige ist Absolvent der Albert-Ludwigs-Universität Freiburg. „Die wissenschaftlich herausragende Arbeit stellt einen bedeutenden Beitrag zur Herder-Forschung dar. Sie richtet den Blick auf das Staatsdenken des Weimarer Generalsuperintendenten, Pädagogen, Theologen und Dichters Johann Gottfried Herder und erschließt dessen Texte als einen interdisziplinär relevanten Forschungsgegenstand. Für den Herder-Ort Weimar ist die Auszeichnung dieser Studie ein wichtiges Signal: Mit der Verleihung des Herder-Förderpreises wird eine Forschung gewürdigt, die neue Perspektiven auf Herders Werk eröffnet und für die zukünftige Herder-Forschung von grundlegender Bedeutung sein wird. Zugleich wird eine herausragende wissenschaftliche Leistung über den universitären Kontext hinaus einer breiteren Öffentlichkeit bekannt gemacht“, begründet PD Dr. Constance Hartung, Superintendentin des Kirchenkreises Weimar-Apolda, die Jury-Entscheidung.
Sarah Steingrüber erhielt für ihre Staatsexamensarbeit „Blick und Glaube – Bilder und ihre Narrationen“ an der Bauhaus-Universität Weimar eine Auszeichnung in Höhe von 500 Euro. Sie schreibt über ihre Arbeit mit einer exemplarischen Fallanalyse von Raffaels Disputa del Sacramento: „In meiner Arbeit Blick und Glaube – Bilder und ihre Narrationen untersuche ich, wie sakrale Bilder Glauben nicht nur abbilden, sondern die Wahrnehmungsordnung herstellen, innerhalb derer Glauben überhaupt als plausibel und tragfähig erfahrbar wird.“
Wie in den Jahren zuvor waren alle Gäste im Anschluss zum Herdergeburtstagsbuffet auf der Nordseite der Herderplatzes geladen: Beschwingende Live-Musik und schmackhaftes Catering durch die Cafeteria des Diakonie Landguts Holzdorf öffneten Augen, Ohren und Herzen für Begegnungen, in denen die Stunden in milder Witterung dahinflogen.
Ein herzliches Danke-Schön allen Personen, die den diesjährigen Herdergeburtstag vorbereitet, gestaltet und mitgeprägt haben!







